Digitale Selbstverteidigung Teil 15: Linux und Windows gleichzeitig auf einem Rechner laufen lassen

LINUX-kl Aufgeschreckt von der Technischen Warnung bezüglich Windows 10 erreichte mich eine Reihe von Fragen auf die ich hier eine Lösung anbieten will. 

Aus den Fragen ging hervor das man ja gerne was machen würde, jedoch der radikale Schritt Windows zu deinstallieren und Linux, das den meisten recht unbekannt ist, zu installieren, ist vielen denn doch zu gewagt. Schließlich ist man Windows gewohnt und ja, das man davor zurückschreckt ist verständlich. 

Nun, wir können auch Linux hernehmen und darin Windows installieren. Beide Systeme können damit gleichzeitig laufen und man kann ganz bequem und langsam den Umstieg Stück für Stück testen und vollziehen. Achtung, Gamer sollten den Weg nicht gehen, die Spiele würden zu sehr beeinträchtigt. Denen bleibt nur der Weg über einen zweiten Rechner. Ok, für alle anderen: Das bedingt aber zunächst einmal die passende Hardware, der Rechner muss das auch können. 

Also, was wird benötigt? Zunächst darf die Hardware keinen TPM Chip haben, das dürfte klar sein. Die restlichen Anforderungen sind moderat. Ich habe einen Dual-Core Rechner mit 2 x 3000 MHz und, das ist wichtig, 8 GB RAM. Da geht das problemlos. Ich denke aber das auch 4 GB RAM reichen, 2 GB für das Windows und 2 GB für Linux, die Mindestanforderung für Linux Mint sind zwar nur 512MB aber es gilt der alte Leitsatz: "All you need is RAM", je mehr desto besser. Dann muss noch genügend Plattenplatz da sein. Ich sag mal als Hausnummer mindestens 100 GB, aber je mehr desto besser. Das sind Anforderungen die heute ein Durchschnitts-Rechner problemlos erfüllt. Und natürlich eine vernünftige Grafikkarte, aber auch das dürfte kein Thema sein. Die meisten werden einen tauglichen Rechner zu Hause haben, da muss wahrscheinlich nichts neu gekauft werden. 

Der nächste Schritt ist natürlich eine Datensicherung ausnahmslos aller Daten die man braucht und eine Überprüfung ob die Kopie erfolgreich war. Auf keinen Fall mit irgendeinem Tool das Sonderformate nutzt sichern, ich mach das immer ganz einfach mit Copyfile. Denkt auch an Emails und Lesezeichen. Email könnte ein Problem werden, je nachdem welches Programm man verwendet bzw. unter Linux verwenden will. Nicht alle Formate können importiert werden. Nutzt man Email nur über das Webinterface ist eine Sicherung nicht nötig weil die Mails ja nicht auf dem eigenen Rechner liegen. 

Dann muss man ein Windows Installationsimage haben. Nicht bei allen Rechnern liegt die DVD dabei, daher muss die ggf. erzeugt werden. Eine bootfähige DVD kann man brennen, muss man aber nicht, ein ISO Image reicht. Den passenden Lizenzschlüssel den man zur Windows Aktivierung braucht nicht vergessen! Der muss natürlich auch griffbereit sein. 

Jetzt braucht man noch ein Linux Installationsimage im Form einer bootbaren DVD. Ich persönlich rate dabei zu Linux Mint in der Cinnamon Edition in der 64bit Version. Ein 32Bit Rechner könnte keine 4 GB RAM verwenden, 32Bit Systeme scheiden also von vornherein aus. Die Cinnamon Benutzeroberfläche deswegen weil sie sehr der von Windows 7 ähnelt und die wenigsten Umgewöhnungen benötigen dürfte. Später kann man noch andere nachinstallieren die einem besser gefallen wenn man möchte. Es gibt ein rundes Dutzend von Benutzeroberflächen für Linux. Bei jedem Login kann man sich die Oberfläche die man nehmen möchte aussuchen oder eine zum Standard erklären. Außerdem stehen für Linux Mint, in allen Editionen, deutsche Handbücher zur Verfügung. 

Wenn man den Rechner schon immer mal mit einer zweiten, einer SSD Festplatte, ausstatten wollte dann wäre jetzt auch ein günstiger Zeitpunkt dafür. Danach wird von der gebrannten Linux Mint DVD der Rechner gestartet und verbindet es mit dem Internet (das ist wichtig) über LAN bzw. WLAN, je nach Umgebung. Es kommt ein komplettes Linux mit Browser, Büropaket, Netzwerk usw. hoch, aber das Live-System hat leider den Nachteil das es das US-Tastaturlayout verwendet. Da wir Windows sowieso zunächst komplett vom Rechner löschen wollen ist das kein Problem. Man klickt mit der Maus auf "Install" bzw. "Installieren", ein entsprechendes Symbol findet sich auf dem Desktop. 

Die Installation selber läuft über einen Assistenten und ist selbsterklärend. Bei der Plattenaufteilung muss man sich halt überlegen wie man es haben will. Am besten löscht man zuerst alle Windows Partitionen. Ich habe zwei Platten im System, eine kleine 64 GB SSD für das Linux Betriebssystem und eine 2 TB Platte normaler Bauart für das Homeverzeichnis und alle anfallenden Daten, also eine Partition pro Platte. Das komplette Linux außer dem Homeverzeichnis liegt auf der schnellen SSD Platte. Dann kann man noch entscheiden ob man das Homeverzeichnis verschlüsseln möchte, dazu rate ich. Um irgendwelche Treiber muss man sich keine Sorgen machen. Linux erkennt die Hardware automatisch und installiert die passenden Treiber, ggf. werden die aus dem Internet automatisch geladen. Auch alles andere wird soweit wie möglich automatisch erkannt. Das Passwort das man vergibt sollte man sich gut merken können, man braucht es laufend. Es gibt bei Linux keine Veränderung am System ohne das die mit dem Passwort legitimiert werden muss. Das ist eines der Sicherheitsfeatures um heimliche Installationen von irgendetwas zu verhindern.

Nach der Installation und dem Neustart des Linux Systems sollte man sich zunächst erst einmal ein wenig mit Linux vertraut machen.  Ihr werdet erstaunt sein wie schnell das geht. Die erste Überraschung dürfte es bei den Updates geben. Man startet die Aktualisierungsverwaltung, sofern die sich nicht schon selbst gemeldet hat (ein kleines Symbol in der unteren Leiste neben der Uhr), und installiert alle Updates. Ihr braucht den Update nur zu starten und könnt sofort weiterarbeiten, also nicht wie bei Windows ewig warten bis das durch ist. Dann werdet ihr feststellen das die Gechichte mit den Updates wesentlich flotter und geschmeidiger geht. Ein Neustart nach der Installation der Updates ist normalerweise (es sei denn der Systemkern wird ausgetauscht) nicht nötig. 

Ist man mit dem System einigermaßen vertraut dann kann man daran gehen in das laufende Linux hinein Windows zu installieren. Das macht man indem man Windows als Virtuelle Maschine einrichtet. Windows bekommt die komplette Hardware also virtuell bereitgestellt. Dazu installiert man mit dem Tool seiner Wahl, Software-Center, Synaptic, GDebi oder Konsole, das Paket VirtualBox plus das Extension Pack, nötig beispielsweise für die USB Geräte. Die aktuellste Version findet man immer bei Oracle auf der VirtualBox Download Seite oder man nimmt einfach die Pakete aus den Linux Repositories. Wenn man die neuere Version von der Download Seite nimmt, kommt eine Warnung das es besser wäre das ältere Paket aus den Repositories zu nehmen, aber die ignoriere ich immer, ich hatte noch nie Probleme damit. 

Ist VirtualBox samt Extension Pack installiert dann kann man Windows installieren. Zunächst definiert man die Virtuelle Maschine, man legt also einen neuen, virtuellen Computer an, dem man die Anzahl Prozessoren, RAM, Größe der Festplatte (ich würde eine dynamische Festplatte empfehlen weil die "mitwächst") usw. an. Und man sagt der VirtualBox welches Windows man installieren möchte, es werden alle Versionen unterstützt. Weiterhin empdehle ich ein Verzeichnis neu anzulegen das dann unter "Gemeinsame Dateien" eingetragen wird und von Windows aus via Netzwerk gemountet werden kann. Beide Systeme können in dieses Verzeichnis lesen und schreiben und es ist praktisch für das Übertragen der Daten nach Linux. Windows hat nur auf die Linux Verzeichnisse Zugriff die man dort definiert. Ist die Maschine fertig dann kommt das Windows Image zum Einstz. 

Wir legen die bootfähige DVD in das echte Laufwerk des Rechners bzw. (so mach ich das immer) man kopiert das ISO Image auf die Linux Datenplatte. Danach wählt man das Medium in Virtualbox in der Konfiguration der Maschine aus, entweder Host Laufwerk oder das Verzeichnis mit dem ISO Image. und klickt auf Starten. Windows fährt wie gewohnt hoch und kann wie gewohnt installiert und aktiviert werden. Weil die Hardware wechselt kann es sein das man eine telefonische Aktivierung machen muss, also Stift und Zettel zum Plaudern mit dem Microsoft Computer bereitlegen. 

Ist Windows fertig installiert, dann kommen die Gasterweiterungen dran und die virtuelle Maschine muss, Windows typisch, erst mal neu gestartet werden. Danach passt man die Auflösung des virtuellen Bildschirms an und Windows läuft fortan in einem Linux Fenster. Danach die Sicherungen von Windows zurückspielen ggf. die nötige Windows Software, Virenscanner nicht vergessen, installieren und man kann wie gewohnt mit Windows arbeiten. Man muss sich halt nur daran gewöhnen das Dinge wie USB über VirtualBox manuell angeschlossen werden müssen und sich nicht mehr automatisch einhängen.

Windows selber bekommt zwar noch einen Zugang zum Internet, aber der läuft über den Linux Host. Und man kann kontrollieren auf welche Verzeichnisse Windows überhaupt Zugriff haben soll. Werden also vertrauliche Daten nach Linux ausgelagert kommt Windows, selbst wenn es einen Virus hat, da nicht mehr dran.

Wer also diesen Weg gehen will und dabei Fragen hat oder Unterstützung braucht kann die gerne in meiner Facebook Gruppe Linux@Work stellen.

 

 

 

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