Komplette Linux Systemsicherung mit TAR

Ich hatte gestern ja in einem kleinen Artikel über den Upgrade von Linux Mint geschrieben und darin erwähnt das ich bevorzugt mit TAR sichere. Über Email erreichte mich die Frage wie das denn ginge. Nun, ich denke das Thema könnte noch mehr Linux User interessieren, also hier eine kurze Anleitung.  Ich sichere üblicherweise auf eine speziell dafür abgestellte 2TB externe Festplatte. Die Festplatte sollte bei der Formatierung einen Namen bekommen haben, dann ist es deutlich einfacher zu tippen 🙂 Wenn ich diese Festplatte an mein System anschliesse wird die auf /media/userid/seibotec-4 (der Name meiner Platte) gemounted. Die Userid ist variabel, je nachdem mit welchem User ich angemeldet bin. Auf dieser Festplatte sollte ein Verzeichnis für die Backups erstellt werden. Wir öffnen ein Terminal (es mag auch mit einem grafischen Tool gehen, aber ich bevorzuge in vielen Dingen noch die gute alte Kommandozeile). Der Befehl zur Sicherung lautet (ihr benötigt root Rechte, also vorher ein "su" bzw. "sudo -i" ausführen, je nach Linux System):

tar -cvpf /media/user/Festplattenname/Verzeichnisname/Dateiname.tar --directory=/ --exclude=proc --exclude=sys --exclude=dev/pts  --exclude=Pfad-zum-Mountpunkt-der-Tar-Datei .

Was kursiv geschrieben ist, muss individuell angepasst werden! Und vergesst mir nicht den Punkt am Ende! Der kurze Strich vor dem cvpf ist ein normales Minus und der längere Strich vor den anderen Optionen sind zwei Minus Zeichen!

Die Option c erzeugt die Sicherungsdatei, die Option v eine Ausgabe während das Kommando läuft, die Option p erhält die Datei-und Verzeichnis-Berechtigungen und f erlaubt es den Namen und Speicherort der Sicherungsdatei anzugeben. --directory gibt an wo im Verzeichnisbaum der Backup beginnen soll, wir wollen das komplette System sichern, also in unserem Fall ist das /.

--exclude gibt an welche Verzeichnisse NICHT gesichert werden sollen, in unserem Fall sind das /proc, /sys und /dev/pts. Diese Dateien enthalten dynamische Daten des laufenden Systems, müssen also nicht gesichert werden. Das Sicherungsverzeichnis, also der Speicherort wo die Backup Datei hin geschrieben wird, muss natürlich auch auf die Exclude Liste!

Um die Sicherung wieder zurückzuspielen müßt ihr die Sicherungsdatei in das Verzeichnis kopieren wo die Sicherung begonnen hat, in unserem Fall ist das /.  Dann führt einfach folgendes Kommando aus:

tar -xvpf /Dateiname.tar

Das x in den Optionen bedeutet schlicht extract, also Entpacken. Ist die Sicherung zurückgespielt kann die .tar Datei wieder aus / gelöscht werden. Natürlich kann man die Sicherung auch packen um Platz zu sparen, dann lautet der Sicherungsbefehl

tar -zcvpf /media/user/Festplattenname/Verzeichnisname/Dateiname.tar.gz --directory=/ --exclude=proc --exclude=sys --exclude=dev/pts   --exclude=Pfad-zum-Mountpunkt-der-Tar-Datei .

und der Restore Befehl

tar -zxvpf /Dateiname.tar.gz

Wer das nicht immer eintippen will macht ein Skript daraus. Wir packen das Sicherungskommando in eine Textdatei und speichern die mit der Endung .sh ab. Diese Datei muss noch ausführbar gemacht werden, auf der Kommandozeile geht das so:

chmod 750 /Pfad-zum-Skript/Dateiname.sh

Ausführen tut man das Skript mittels:

./Pfad-zum-Skript/Dateiname.sh

Wer regelmäßig automatisch sichern möchte, der kann das über einen Cronjob erledigen. Das Beste ist ihr probiert die Prozedur erst mal mit einer kleinen Sicherung aus bevor ihr das komplette System sichert, einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen wie das abläuft. Natürlich ist auch diese kleine Anleitung wie immer ohne Gewähr.

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3 Gedanken zu “Komplette Linux Systemsicherung mit TAR

  1. Die externe Festplatte sollte entweder mit einem Ext-Sytem oder NTFS formatiert werden, da FAT nur Dateien bis 4 GB speichern kann. Zur Rücksicherung sollte eine Live-CD verwendet werden, damit sie vollständig erfolgt und nicht durch geöffnete Dateien gesperrt wird.

  2. Danke für die Hinweise. An die Grenzen der Microsoft Filesysteme hab ich gar nicht gedacht, da ich für Linux Sicherungen ausschliesslich externe Festplatten mit ext4 Filesystem einsetze.

    Zum Thema Live System: Üblicherweise muss nur dann ein voller Backup zurückgespielt werden wenn auf der Platte kein System mehr vorhanden ist, beispielsweise bei einem Umzug auf eine neue Platte.

    Und wenn eine Installation von der Software her so beschädigt ist, das ein Full Restore nötig ist, würde ich die Platte vorher formatieren. In beiden Fällen muss dann zwangsweise von CD oder USB gebootet werden.

    Dann muss aber auch der Bootsektor neu geschrieben werden. Im Falle Linux geht das am Besten mit SuperGrub (www.supergrubdisk.org) oder eben manuell mit einem Livesystem.

    Ein teilweiser Restore lässt sich erreichen wenn man das Tar Archiv auf einer externen Platte entpackt und die benötigten Zweige manuell herüber kopiert. In dem Fall ist kein Livesystem nötig.

    Danke für die Ergänzungen meines Artikels.

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